KI im Arbeitsalltag
KI im Handwerk und KMU: drei Abläufe, die Bürozeit zurückgeben
Offerte, Rapport, Vorschriftensuche: Schweizer Betriebe verlieren ihre Abende im Büro, nicht auf der Baustelle. Dieser Artikel zeigt drei Abläufe. Sie sehen, wie ein KI-Kollege mit dem Wissen Ihres Betriebs arbeitet, was sich an Ihre Software anbinden lässt und wo die Grenzen liegen.
Kurz gesagt
- Übersetzen (52 %) und Korrespondenz (47 %) sind die häufigsten KI-Anwendungen in Schweizer KMU, genau die Arbeit, die abends liegen bleibt.3
- EU Cowork AI arbeitet mit dem Wissen Ihres Betriebs: Offertvorlagen, Werkvorschriften der Netzbetreiber, Arbeitsanweisungen und alte Rapporte werden zur befragbaren Wissensbasis.
- Ihre Daten bleiben in der Schweiz oder auf Ihrem eigenen Server und trainieren keine Modelle.
- Software mit offener Schnittstelle lässt sich anbinden, etwa Microsoft 365, bexio oder KLARA. Eine Schnittstelle ist die Stelle, über die zwei Programme Daten austauschen. Der Weg dafür heisst Model Context Protocol (MCP): mit Rechten pro Werkzeug und einem Protokolleintrag für jeden Zugriff.
Ausgangslage: die Administration wächst schneller als der Betrieb
Rund 60 % der Schweizer Unternehmen empfinden die administrative Belastung als hoch oder eher hoch. Am stärksten wiegen Bauvorhaben mit 67 %.1 Für die ganze Schweiz gerechnet summiert sich vermeidbare Bürokratie auf rund 30 Milliarden Franken pro Jahr, so eine Studie von ifo und BSS.2
Im Handwerk zeigt die Richtung klar nach oben: In einer deutschen Verbandsumfrage mit 10'630 Betrieben berichten 74 %, dass der Bürokratieaufwand in den letzten fünf Jahren gestiegen ist.4 In der Elektrobranche kommt der Fristendruck dazu. Die Netzbetreiberin fordert die Eigentümerschaft schriftlich auf, den Sicherheitsnachweis (SiNa) einzureichen, und zwar mindestens sechs Monate vor Ablauf der Kontrollperiode, also der Frist bis zur nächsten periodischen Kontrolle. Bleibt der Nachweis trotz zweimaliger Mahnung aus, übernimmt das ESTI die Durchsetzung.5 Den Termindruck spürt der Betrieb, der die Anlage instand stellt und die Papiere liefert.
Gleichzeitig ist KI in den KMU angekommen: Innerhalb eines Jahres stieg der Anteil der Schweizer KMU mit KI-Einsatz von 22 auf 34 %, am häufigsten für Übersetzungen und Korrespondenz.3 Die Frage ist also nicht mehr, ob ein Betrieb KI nutzt. Die Frage ist, ob sie mit seinem Wissen arbeitet und wo seine Daten dabei liegen.
- Stichworte vom Einsatzort, getippt oder diktiert
- Entwurf aus Vorlagen und Firmenwissen
- Durchsicht und Freigabe im Betrieb
- Versand und Ablage, protokolliert
Anwendungsfall 1: Offerten und Korrespondenz aus dem eigenen Firmenwissen
Eine Anfrage kommt am Morgen per E-Mail: Badumbau, drei Stichworte, zwei Fotos. Der KI-Kollege kennt die Offertvorlagen, die Preislisten und die bisherigen Offerten des Betriebs. Er schlägt Positionen vor, formuliert den Begleittext im Ton des Betriebs und legt den Entwurf zur Durchsicht ab. Sie streichen eine Position, passen einen Preis an und verschicken die Offerte.
Dasselbe gilt für die Korrespondenz drumherum: Terminverschiebung, Zahlungserinnerung, Antwort auf eine Reklamation, Übersetzung für die Bauherrschaft aus der Romandie. Der Entwurf entsteht aus der Vorkorrespondenz und den eigenen Unterlagen, die Freigabe bleibt beim Menschen.
- Anfrage des Kunden, so knapp wie sie kommt
- Vorlagen, Preislisten und bisherige Offerten des Betriebs
- Offertentwurf im Ton des Betriebs, bereit zur Durchsicht
Der Unterschied zu einem Chat im Browser: Der Entwurf beruht auf Ihren Unterlagen statt auf hineinkopierten Ausschnitten. Und Ihre Offerte samt Kalkulation bleibt in Ihrer eigenen Instanz statt in einem fremden Chatkonto. Eine Instanz ist Ihre eigene, von anderen Kunden getrennte Ausgabe des Systems.
Anwendungsfall 2: vom Rapport zum sauberen Bericht
Der Monteur tippt oder diktiert auf dem Heimweg drei Sätze ins Handy; die Diktierfunktion des Geräts genügt. Er hält fest, was gemacht wurde, was verbraucht wurde und was aufgefallen ist. Daraus entstehen der Regierapport im Standard des Betriebs, die Materialliste und ein Mängelbeschrieb für die Bauleitung: formuliert, nummeriert, ablagefertig. Auch fürs Ausmass, also für die Aufstellung der geleisteten Mengen, entsteht eine Zusammenstellung als Entwurf. Nachgerechnet wird im Betrieb.
In der Elektrobranche hängt an sauberen Unterlagen mehr als Ordnung: Mess- und Prüfprotokolle und der Sicherheitsnachweis folgen festen Formularen.6 Das Ausfüllen und Prüfen bleibt Sache der kontrollberechtigten Person. Der KI-Kollege übernimmt die Schreibarbeit drumherum, vom Begleitbrief an die Netzbetreiberin bis zur Mängelliste an den Kunden.
- Drei kurze Sätze vom Heimweg
- Ein Eingang, drei Dokumente im Standard des Betriebs
- Regierapport, Materialliste und Mängelbeschrieb zur Freigabe
Was bewusst nicht passiert: Kein Dokument wird automatisch verschickt. Jeder Bericht wartet auf die Freigabe, und jede Änderung bleibt nachvollziehbar.
Anwendungsfall 3: das Betriebswissen wird befragbar
Welche Werkvorschrift gilt bei diesem Netzbetreiber für die Messeinrichtung? Wie war das Vorgehen beim Service an dieser Anlage vor zwei Jahren? Solche Fragen unterbrechen heute die Geschäftsführung. Eine Wissensbasis ist eine Sammlung Ihrer eigenen Unterlagen, die der KI-Kollege durchsuchen darf: Arbeitsanweisungen, Werkvorschriften, Herstellerunterlagen und alte Rapporte. Daraus beantwortet er solche Fragen und nennt die Fundstelle. So ist die Antwort in Sekunden prüfbar.
Neue Mitarbeitende fragen in ihrer Sprache und bekommen die Antwort aus denselben Unterlagen. Die Sicherheitsinstruktion auf Portugiesisch entsteht aus dem deutschen Merkblatt des Betriebs. Wichtig bei Normen: Texte wie die NIN sind urheberrechtlich geschützt. Ob sie in eine Wissensbasis dürfen, richtet sich nach Ihrer Lizenz bei Electrosuisse. Klären Sie den Umfang vor dem Hochladen ab. Die eigenen Unterlagen gehören ohnehin hinein.
- Frage in Umgangssprache, am Handy oder im Büro
- Eigene Unterlagen, mit Rechten pro Werkzeug und Protokoll
- Antwort mit Fundstelle, in Sekunden prüfbar
Rechte gelten dabei bis auf einzelne Werkzeuge: Wer die Lohnablage nicht sehen darf, sieht sie auch über die KI nicht. Jeder Zugriff steht im Audit-Log, dem fortlaufenden Protokoll darüber, wer wann was abgerufen hat.
Konnektoren: was sich an Ihre Software anbinden lässt
Ein KI-Kollege ist so nützlich wie das, was er erreichen darf. Ein Konnektor ist die fertige Verbindung zwischen EU Cowork AI und einem anderen Programm. Möglich wird sie, wenn das Programm eine dokumentierte API hat, also eine Schnittstelle, über die Programme Daten austauschen. Den Rahmen dafür gibt MCP vor, ein offener Standard für die Anbindung fremder Systeme. Die Rechte gelten pro einzelnem Werkzeug, und jeder Aufruf wird protokolliert. So sieht die Lage bei verbreiteter Software für Handwerk und KMU aus, geprüft im August 2026, von der KI-Anbindung an bexio und KLARA bis zu Microsoft 365:
| Software | Schnittstelle | Anbindung an EU Cowork AI |
|---|---|---|
| Microsoft 365 (Outlook, Teams, SharePoint) | Graph-API, offen dokumentiert | MCP-Server von Microsoft vorhanden; E-Mail, Kalender und Dateien direkt ansprechbar |
| bexio | REST-API, offen dokumentiert | Anbindung über MCP möglich: Kontakte, Offerten, Aufträge, Rechnungen, Projekte |
| KLARA | REST-API, offen dokumentiert | Anbindung über MCP möglich: Buchhaltung, Verkauf, Lohn |
| CashCtrl | REST-API, offen dokumentiert | Anbindung über MCP möglich: Konten, Aufträge, Berichte |
| Odoo | Offene Schnittstelle, dokumentiert | Fertige MCP-Anbindungen aus der Community vorhanden |
| Abacus | REST-API mit gesicherter Anmeldung (OAuth2), Zugang über das Partnerprogramm | Anbindung über MCP möglich, der Zugang läuft über den Abacus-Partnerweg |
| SORBA, Messerli, ElektroForm | Keine öffentlich dokumentierte API | Der Weg führt über Exporte, über den genormten Datenaustausch im Bauwesen oder über die angebundene Buchhaltung. Grundlage ist die Norm SIA 451; für Leistungsverzeichnisse gilt seit 2020 die Ausprägung IfA18 mit dem Dateiformat CRBX7 |
Fehlt Ihre Software in der Liste? Vieles aus dem Alltag läuft ganz ohne Systemanbindung, von der Offerte bis zur Wissensbasis. Wie eine Anbindung über MCP grundsätzlich funktioniert und welche Systeme vorbereitet sind, steht auf der Seite Integrationen.
Datenschutz: Kalkulationen bleiben im Betrieb
Offerten, Kalkulationen und Kundendossiers sind Geschäftsgeheimnisse. Nach dem revidierten Datenschutzgesetz bleibt der Betrieb für Personendaten verantwortlich, auch wenn ein KI-Werkzeug sie verarbeitet. Bearbeitet ein Anbieter diese Daten für Sie, braucht es einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Das ist der Vertrag, der festhält, was der Anbieter mit den Daten tun darf. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.
EU Cowork AI wird in der Schweiz betrieben oder läuft auf Ihrem eigenen Server. Kundendaten trainieren keine Modelle. Die Anfragen an das Sprachmodell werden in der EU verarbeitet, für die Modelle von Anthropic über Amazon Bedrock im europäischen Inferenzprofil. Weil dahinter ein US-Konzern steht, greift der CLOUD Act; wir sagen das offen, statt es wegzulassen. Der Auftragsverarbeitungsvertrag samt Subprozessorenliste steht offen auf der Website.
Für die Praxis heisst das: Die Preisliste, mit der Sie kalkulieren, landet in keinem fremden Trainingsdatensatz, und die Frage, wo die Daten liegen, beantworten Sie Ihrem Kunden in einem Satz.
Häufige Fragen aus Handwerk und KMU
Meine Branchensoftware hat keine Schnittstelle, etwa SORBA oder ElektroForm. Bringt mir EU Cowork AI trotzdem etwas?
Ja. Offerten, Rapporte, Korrespondenz und die Wissensbasis arbeiten mit Dokumenten und brauchen keine Systemanbindung. Wo eine Anbindung fehlt, führt der Weg über Exporte, über den genormten Datenaustausch im Bauwesen (Norm SIA 451, für Leistungsverzeichnisse seit 2020 in der Ausprägung IfA18) oder über die angebundene Buchhaltung.
Schreibt die KI meine Offerte allein?
Nein, sie schreibt den Entwurf aus Ihren Vorlagen und Preislisten. Positionen, Preise und die Freigabe bleiben bei Ihnen. Ein Sprachmodell kann Falsches ausgeben. Deshalb ist jeder Text ein Entwurf zur Durchsicht, keine geprüfte Auskunft.
Darf ich die NIN in die Wissensbasis laden?
Normtexte wie die NIN sind urheberrechtlich geschützt. Ob Sie sie in die Wissensbasis laden dürfen, richtet sich nach Ihrer Lizenz bei Electrosuisse. Klären Sie das vor dem Hochladen. Eigene Arbeitsanweisungen, Werkvorschriften der Netzbetreiber, Herstellerunterlagen und Ihre Rapporte sind der grössere Teil des Betriebswissens und gehören ohnehin Ihnen. Diese Antwort ersetzt keine Rechtsberatung.
Was kostet das für einen Betrieb mit zehn Leuten?
Der betreute Betrieb kostet 15 € pro Person und Monat, in der Schweiz 14 CHF. Davon sind 8 € beziehungsweise 7.50 CHF Modellguthaben, das alle in Ihrer Organisation gemeinsam nutzen. Wer selbst hostet, zahlt für die Software nichts, dauerhaft und ab einem Nutzer. Die Basis LibreChat ist unter MIT-Lizenz einsehbar; das Repository mit unseren eigenen Erweiterungen folgt. Alle Angaben stehen auf der Seite Preise.
Wo liegen unsere Daten?
In der betreuten Variante in der Schweiz, beim Selbstbetrieb auf Ihrem eigenen Server. Kundendaten trainieren keine Modelle, und Anfragen an das Sprachmodell werden in der EU verarbeitet. Die Belege stehen im Trust Center.
Brauchen wir dafür eine IT-Abteilung?
Nein. In der betreuten Variante übernimmt der Betreiber Betrieb, Updates und Sicherung. Sie verwalten Nutzer und Rechte im Admin-Panel, der Verwaltungsoberfläche Ihrer Organisation. Für den Selbstbetrieb genügt jemand, der einen Linux-Server mit Docker pflegen kann, auch ein IT-Dienstleister.
Funktioniert das auf der Baustelle am Handy?
Ja. EU Cowork AI läuft als PWA auf dem iPhone, auf Android-Geräten und am Desktop. Eine PWA ist eine Web-Anwendung, die sich wie eine App auf dem Gerät installieren lässt. Notieren, fotografieren und nachschlagen funktioniert dort, wo die Arbeit passiert; die Diktierfunktion Ihres Geräts genügt. Der fertige Bericht wartet im Büro auf die Freigabe.
Sehen Sie es an einem eigenen Fall an
Bringen Sie eine Offerte, einen Rapport oder ein Merkblatt mit, und wir gehen den Ablauf gemeinsam durch. Oder Sie tragen sich ein: Zugänge zur betreuten Schweizer Instanz vergeben wir wegen der hohen Nachfrage gestaffelt.
Quellen
Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus den folgenden Quellen, zuletzt geprüft im August 2026. Die deutsche Verbandsumfrage ist als Deutschland-Zahl gekennzeichnet.
- SECO, Bürokratiemonitor (Erhebung 2022, publiziert 2023), wahrgenommene Regulierungsbelastung: seco.admin.ch
- ifo Institut und BSS Volkswirtschaftliche Beratung im Auftrag von economiesuisse und weiteren Verbänden (November 2025), Kosten vermeidbarer Bürokratie: economiesuisse.ch
- AXA KMU-Arbeitsmarktstudie 2025 (Erhebung März 2025, publiziert am 8. Oktober 2025, 300 befragte KMU), KI-Nutzung in Schweizer KMU: axa.ch
- ZDH, Sonderumfrage Bürokratiebelastung im Handwerk (Erhebung 2023, Deutschland, 10'630 Betriebe): zdh.de
- ESTI, Niederspannungsinstallationen: periodische Kontrolle und Aufforderung durch die Netzbetreiberin nach Art. 36 NIV, Sicherheitsnachweis nach Art. 37 NIV: esti.admin.ch
- EIT.swiss, gemeinsam mit Electrosuisse, ESTI, VSEK und VSE, Formular Sicherheitsnachweis Elektroinstallationen mit Mess- und Prüfprotokoll (Bezug für Mitglieder): eit.swiss
- CRB und SIA, Norm SIA 451 als Rahmen für den Datenaustausch im Bauwesen; für Leistungsverzeichnisse gilt seit dem 1. Januar 2020 die CRB-Richtlinie IfA18 mit dem Format CRBX: crb.ch
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